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Digital und nachhaltig: Modellprojekt für die Innenstadtbelebung

Genießen erlaubt: Kulcity Münchberg

04.05.20216 Minuten11

Wie kann man eine Stadt neu beleben und fit für die Zukunft machen? Münchberg in Oberfranken hat die Vorteile der Digitalisierung erkannt – und plant damit die Wiederbelebung ihrer Innenstadt. Wie geht das konkret? Wir haben mit Tanja Bauer, Leiterin des Hauptamts, und der Marketingverantwortlichen der Stadt Bianca Langheinrich-Keim gesprochen.

Worum geht es bei der Kulcity-Strategie?
TANJA BAUER: Es handelt sich um einen Plan für die Belebung der Innenstadt. Die Devise „nicht von allem ein bisschen, sondern von einem bisschen alles“ trifft es auf den Punkt. Die Themen Kulinarik und Genuss stehen im Mittelpunkt und sollen in Münchberg allgegenwärtig werden. Die Vision ist ein nachhaltiges, langfristiges Konzept für die Belebung unserer Innenstadt, die „Gesamtvermarktung des Genussortes Münchberg“ und der Genussregion Oberfranken sowie die geschickte Verknüpfung von Online- und Offlinehandel.

Warum ist diese Initiative entstanden?
BIANCA LANGHEINRICH-KEIM: Die ursprüngliche Idee „Kulinarisches Spezialoutlet und Mustereinkaufsstadt 4.0“ stammt von den drei Münchberger Gewerbetreibenden Hanns Bergmann, Andreas Fickenscher und Tilman Held. Zusammen mit Münchbergs Bürgermeister Christian Zuber und einem Team aus der Stadtverwaltung wurde das Konzept der Regierung von Oberfranken vorgestellt. Nachdem wir die Zustimmung für eine Machbarkeitsstudie erhielten, konnten wir zusammen mit den beiden Büros sk Standort & Kommune sowie steinbauer strategie, beide aus Fürth, eruieren, ob es sinnvoll ist, die Idee umzusetzen. Den positiven Ergebnissen aus der Studie folgt nun die schrittweise Umsetzung der Kulcity-Strategie.

 

Die Kulcity-Strategie hat eine intelligente Verknüpfung von Online- und Offline-Handel zum Ziel.

Bianca Langheinrich-Keim

 

Welche Initiativen planen Sie das Kulcity-Projekts betreffend?
TANJA BAUER: Im ersten Schritt dreht sich tatsächlich alles um das Thema Genuss und Kulinarik. Ein besonderes Augenmerk wird auf Regionalität der Lebensmittel und das Genusshandwerk gelegt. Es sollen sämtliche Generationen und Institutionen mit eingebunden werden. Kindergarten- und Grundschulkinder werden von klein auf an den Anbau von Gemüse und Obst oder die Aufzucht von Tieren herangeführt, z.B. mittels eines Schulgartens oder indem sie einen Bauernhof in einem der Münchberger Ortsteile besuchen. Auch möchten wir den Kleinen den Nachhaltigkeits- und Umweltgedanken näherbringen, um so auch dem Bildungsauftrag gerecht zu werden. Das „Kul“ in Kulcity kann auch ausgeweitet werden. Da unser Schützenhaus derzeit umgebaut wird, ist es vorstellbar, dass Kulcity in Zukunft auch den Kulturaspekt verkörpert.

Was hat Kulcity mit Digitalisierung zu tun?
TANJA BAUER: Die Kulcity-Strategie hat eine intelligente Verknüpfung von Online- und Offline-Handel zum Ziel. In der Innenstadt besteht die Möglichkeit des Einkaufserlebnisses, also das Anfassen, Schmecken, Riechen etc. und auch die Beratung zu verschiedenen Produkten. Aber den Kunden soll der Aufenthalt in Münchberg so angenehm wie möglich gestaltet werden. Dazu gehört, dass sie ihre größeren Einkäufe nicht bis zu ihrem Auto „schleppen“ müssen. Sie werden dank einer Kulcity-App nicht nur die Auswahl von verschiedenen Zahlungsweisen haben, sondern auch entscheiden können, wie sie die Ware empfangen. Entweder sie lassen sich die Produkte vom ansässigen Händler nach Hause schicken oder sie holen sie in einem Warenlager bequem ab. Doch auch weitere Aspekte des städtischen Lebens soll die Plattform aufgreifen. So kann die Stadtverwaltung hierüber beispielsweise auch mit den Bürgern in Kontakt treten und Meinungen einholen bzw. Informationen streuen.

Werden digitale Angebote direkt in Ihrer städtischen Website eingebunden sein? Wenn ja, welche?
BIANCA LANGHEINRICH-KEIM: Wir werden verschiedene Angebote auf der Homepage einbinden. Im Moment können wir aber noch nicht abschätzen, wie viele und vor allem welche Anwendungen das sein werden. Wir sind noch in der Planungsphase unserer Kulcity-Plattform.

Kann Digitalisierung beitragen, eine Stadt zu beleben? Wenn ja, wie?
TANJA BAUER: Gewerbetreibende, Vereine, Initiativen und engagierte Bürger - und nicht zuletzt die Stadtverwaltung - haben ein ureigenes Interesse an einer Belebung der Münchberger Innenstadt. Natürlich kann hier die Digitalisierung ihren Beitrag leisten. Münchberg mit seinen gut 10.000 Einwohnern muss am Ball bleiben und einen Blick auf die nachfolgenden Generationen werfen, für die digitale Lösungen ein Selbstverständnis sein werden.

Wo liegen die Herausforderungen beim Projekt Kulcity?
TANJA BAUER: Durch die Einschränkungen, die die Pandemie mit sich bringt, konnte das Thema Kulcity in Münchberg noch nicht so mit Leben gefüllt werden, wie wir das ursprünglich geplant hatten. Die verschiedenen Akteure müssen kontinuierlich mit einbezogen werden, so dass Kulcity als Gemeinschaftsprojekt von allen getragen wird. Es wird zur Zeit eine Genossenschaft gegründet, um allen Betroffenen und Interessierten eine inhaltliche und finanzielle Beteiligungsmöglichkeit zu bieten. So soll das Bewusstsein für die Initiative möglichst stark in der Bevölkerung verankert werden. Damit wollen wir Identität und Identifikation stiften.

Wie akzeptieren Bürgerinnen und Bürger bisher das Projekt? Und der Handel?
BIANCA LANGHEINRICH-KEIM: Sobald wieder Veranstaltungen etc. möglich sind, können die Bürger viel stärker eingebunden werden. Der Handel begrüßt die Kulcity-Strategie und setzt diese bereits erfolgreich um. Zum Beispiel, indem er das „Produkt der Woche“ auslobt oder unsere Genusskarte. Auch Kooperationen zwischen den Genusshändlern bilden sich nach und nach: Das Bernsteinbier unserer ortsansässigen Brauerei Hopfenhäusla etwa wird bei der Bäckerei Roßner im Brot verarbeitet. Weiterhin haben sich verschiedene Händler zusammengetan und bieten einen Genusskorb mit typischen Münchberger Spezialitäten an. Aber auch in den Ortsteilen tut sich einiges: in Unfriedsdorf gibt es einen neuen Hofladen mit Bio-Eiern, Bio-Nudeln etc. Zeitnah wird in Plösen Bauernhofeis angeboten.

 

Ein besonderes Augenmerk wird auf Regionalität der Lebensmittel und das Genusshandwerk gelegt. Es sollen sämtliche Generationen und Institutionen mit eingebunden werden.

Tanja Bauer

 

Kulcity in der Corona-Pandemie: ein Boost für die Digitalisierung und für das Kulcity-Projekt? Oder ein Hindernis?
BIANCA LANGHEINRICH-KEIM: Wie bereits gesagt: Die Pandemie hindert uns an der Durchführung von Aktionen und somit an der kontinuierlichen Sichtbarkeit. Nichtsdestotrotz kann im Hintergrund weitergearbeitet werden. Die Corona-Pandemie beschleunigt die Digitalisierung. Sie macht deutlich, dass Alternativen gefunden werden müssen, damit wir handlungsfähig bleiben. Seitens der Stadtverwaltung wurde im Frühling 2021 erstmals eine Bürgerversammlung digital abgehalten und sehr gut angenommen - eine neue Erfahrung sowohl für die Rathausmannschaft als auch für die Bürger.

Wie unterstützt Sie das Beratungsteam rund um Frau Köhler beim Projekt Kulcity?
TANJA BAUER: Die Stadt Münchberg baut zusammen mit der AKDB die Digitalisierungsstrategie für die Verwaltung auf. Nachdem der Ist-Zustand analysiert wurde, geht es nun an die Erarbeitung des Soll-Bildes. Entsprechend werden notwendige Maßnahmen abgeleitet, die während des Transformationsprozesses umgesetzt werden müssen, um ans Ziel zu gelangen.

TANJA BAUER: Die Stadtverwaltung steht also im ständigen Austausch mit Frau Köhler und ihrem Team. So kam es auch, dass wir bei unserer Bewerbung zum Smart Cities- Förderprogramm wertvolle Hilfestellung vom AKDB-Team bekamen. Wir konnten von einem funktionierenden Expertennetzwerk profitieren, das uns mit seinem Wissen und nützlichen Einschätzungen während der Bewerbungsphase jederzeit zur Seite stand.

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